Klimawandel im Dossenheimer Wald – Informationsveranstaltung mit Revierförster Jakob

Auf Anregung unserer Gemeinderätin Renate Tokur berichteten Revierförster Michael Jakob und der Gemeindemitarbeiter Wolfgang Gutfleisch am 9. Januar bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung der Gemeinde über die Lage in unserem Wald.

Im Publikum waren neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Bürgermeister Faulhaber und weiteren Vertretern der Gemeindeverwaltung auch Gemeinderät*innen aus fast allen Fraktionen.

Während Förster Jakob zufolge in Australien Wald auf 10 Mio. Hektar (so groß wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen) brennt, ist die Situation auch in unserem Wald besorgniserregend. Nach bereits vielen Jahren mit insgesamt zu wenig Regen und dem extrem trockenen Jahr 2018 war auch das Jahr 2019 zu trocken, sodass die Feuchtigkeitsreserven im Boden weiterhin weitgehend leer sind. Die Bäume stehen unter Trockenstress, sind anfällig für Käferbefall und sterben entweder ganz ab oder es brechen große Äste aus der Krone herunter. In der Folge kam es zu einem Überangebot an Holz, wodurch die Preise etwa für Fichtenholz von früher 100 €/Festmeter auf 20 € eingebrochen sind. Der wirtschaftliche Aspekt der Waldnutzung steht für Verwaltung und Gemeinderat zwar nicht allein im Vordergrund, doch auch für Natur- und Artenschutz sowie die Erholungsfunktion des Waldes sind gesunde Bäume wesentlich.

Was lässt sich in dieser Situation für den Wald tun? In erster Linie muss sich die Artenzusammensetzung hin zu trocken- und wärmeresistenten Bäumen ändern. Hier nannte Förster Jakob vor allem Eichen und Douglasien sowie Esskastanien und Waldkirschen, zum Teil auch Buchen. Es müsse zudem viel experimentiert werden – „es gibt jetzt keine heimischen oder fremden Bäume mehr, sondern nur noch Bäume, die bei uns in Zukunft noch wachsen und solche, die das nicht tun.“ Um diesen notwendigen Wechsel anzutreiben, wird die Naturverjüngung nicht ausreichen, deshalb soll an verschiedenen Stellen, zum Beispiel Richtung Langer Kirschbaum, auch gezielt angepflanzt werden. Andere Maßnahmen, die vor allem der Artenvielfalt dienen, sind die Einrichtung von „Refugien“ und die Pflege von Waldwiesen und Feuchtbiotopen wie an der Zimmerholzwiese oberhalb des Bärensteins. Ein ganz anderes Problem, das allerdings nicht im Wald zu lösen ist, ist der Mangel an Fachkräften und qualifizierten Unternehmern, welche Arbeiten im Wald fachgerecht ausführen können.

In der anschließenden Diskussion dankten viele Beiträge Herrn Jakob und Herrn Gutfleisch für ihre engagierte Arbeit. Angesprochen wurden unter anderem die Koexistenz von Natur und Hobbysport, aber auch die grundsätzliche Ausrichtung der Dossenheimer Waldpolitik in der sog. Forsteinrichtung.      

Das neue Artenschutz-Gesetz

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